Am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, haben wir auf dem Barmstedter Friedhof an der Gedenkstätte für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der Opfer gedacht. Gemeinsam mit Bürgervorsteher Ortwin Schmidt habe ich dort einen Kranz niedergelegt.
Vor 81 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Seit 30 Jahren ist dieser Tag ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Erinnerung ist aber nicht nur ein staatlicher Auftrag, sondern vor allem eine gesellschaftliche Aufgabe. Gedenken ist kein Blick zurück aus sicherer Distanz, sondern immer auch ein Blick in den Spiegel.
In meiner Ansprache habe ich an die zwölf Menschen erinnert, deren Namen auf den Steinen der Gedenkstätte stehen, Töchter und Söhne, die auch hier in Barmstedt Opfer der nationalsozialistischen Ideologie wurden. Eine von ihnen, Ludmilla, wurde nur 48 Tage alt. Sie starb an angeblicher „Lebensschwäche“. Ich habe auch an Rudolf Sass erinnert, für den vor dem Haus Königstraße 29 ein Stolperstein liegt.

Mein Thema war die Sprache. Die Entrechtung der Opfer begann lange vor den Lagern: mit Wörtern, die Menschen zu Kostenfaktoren machten, mit Ausgrenzung und Entmenschlichung. Diese Propaganda kam ohne offene Gewalt aus. Sie klang sachlich, nüchtern und vernünftig, und gerade deshalb war sie wirksam. Wenn heute menschliche Bedürfnisse zum bloßen Haushaltsproblem erklärt werden und Solidarität als begrenzte Ressource gilt, sollten bei uns die Alarmglocken angehen.
Meine Rede kann die Erinnerung wach halten. Neues Unrecht verhindert sie nicht. Das kann nur unsere Haltung leisten, unser Widerspruch im Alltag, am Stammtisch, im Netz, im Verein, und unsere Solidarität mit denen, die heute ausgegrenzt oder bedroht werden.
„Nie wieder“ ist keine Parole, sondern eine Aufforderung zum Handeln. Die Frage ist nicht: Was hätten wir damals getan? Sondern: Was tun wir heute?
Cornelis de Jong, Vorsitzender der SPD Barmstedt

