“Elbvocal” weckten Erinnerungen
Es war ein volles Haus, das der SPD-Kreisvorsitzende Thomas Hölck beim Empfang des SPD-Kreisverbands Pinneberg zu „80 Jahre Schleswig-Holstein“ im Wedeler Theater begrüßen konnte: jüngere wie ältere Genoss:innen, Parteimitglieder aus Wedel und aus dem übrigen Kreis sowie Gäste von Helgoland bis Kiel. Der Helgoländer Peter Botter hatte von der Kreis-Pinneberger Nordseeinsel dabei den weitesten Weg, der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat der SPD zur Landtagswahl, Ulf Kämpfer, durfte dafür die längste Rede halten. Die Sänger von Elbvocal brachten mit ihrem bunten Gesangsprogramm dazu wohl ausgewählte Töne zu Gehör, die auch manche nicht ganz so politische Erinnerung an die letzten 80 Jahre beförderten. Das Publikum war jedenfalls begeistert.
Thomas Hölck erinnerte bei seiner Begrüßung an die wechselhafte Geschichte des Landes wie auch der SPD. Thomas Hölck: „Am Anfang stand mit Walter Damm und vielen anderen das Aufbauen, dann kam das Aufklaren mit Björn Engholm und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, und jetzt kommt das Aufholen mit Ulf Kämpfer und unseren Landtagskandidaten und der ganzen Partei. Wir hatten Verantwortung, wir können gestalten und wir wollen wieder Verantwortung.“
Ulf Kämpfer: Zuversicht, Aufbauwillen und Veränderungsbereitschaft gehörten und gehören für die SPD dazu
Diese Grundhaltung der SPD-Politik im Land nahm Ulf Kämpfer in seinen frei vorgetragenen und mit viel Zustimmung aufgenommenen Gedanken auf. Für den schwierigen Anfang des Landes nach 1945 stellte er heraus: „Auch wenn es überhaupt nicht klar war, wo und wie die unvorstellbar großen Probleme zu lösen sein würden, haben sich die Demokraten auf den Weg gemacht, zuversichtlich und zupackend das Notwendige anzugehen. Und sie haben ganz am Anfang auch einen gemeinsamen Weg gesucht und gefunden. Wir dürfen froh sein, dass es eine solche gute politische Kultur nach manchen Brüchen und Verirrungen auch wieder in Schleswig-Holstein gibt und sollten alles tun, dass wir das für dieses Land erhalten können.“
Sehr anschaulich machte der SPD-Landespolitiker aus Kiel anhand eigener familiärer Erinnerungen die damaligen Verhältnisse. „In Kiel waren 80 % der Gebäude kaputt; Schulbetrieb fand in drei Schichten statt und war zu Ende, wenn es kein Brennholz mehr gab; die Arbeitslosigkeit und die Armut waren hoch und mit Dänemark gab es über lange Zeit ein feindliches Verhältnis.“
Das Land und seine fortschrittlichen Kräfte hätten dann harte Proben zu bestehen gehabt. Der ehemalige Kieler Oberbürgermeister: „Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall musste ab dem 24. Oktober 1956 in Schleswig-Holstein über 100 Tage Streik erst erkämpft werden. Wer daran rütteln will, dem sagen wir: Nicht mit uns. Das Land war lange Zeit an die Atomenergie gebunden und jetzt sind wir ein Spitzenland der Erneuerbaren Energien. Wir dürfen stolz darauf sein, denn das kam mit uns. Und die SPD in Schleswig-Holstein wurde auch zum Wegbereiter von Entspannungs- und Friedenspolitik in Sicherheit. Das wird wieder zur Aufgabe für uns.“
Die tiefgreifende Entwicklung von Schleswig-Holstein in den letzten 80 Jahren nahm der Spitzenmann der SPD zum Anlass, auch für die Zukunft auf umfassende Erneuerungen bei der Bereitstellung von Wohnraum, bei der Bildung und den Aufstiegschancen, bei der Gestaltung von Arbeit angesichts von Künstlicher Intelligenz und beim Klimaschutz einzustimmen. Kämpfer: „Das muss bezahlbarer, einfacher und gerechter werden. Dafür ist die SPD da als verantwortungsbereite, kämpferische Kraft in der linken demokratischen Mitte.“
5 Wünsche an Schleswig-Holstein in 20 Jahren
Zuversicht und klare Ansagen prägten dann auch die Gesprächsrunde, die von der stellvertretenden Kreisvorsitzenden Linja Voges im Anschluss zu „ihrem“ Schleswig-Holstein in den Austausch gebracht wurde. Für Thomas Hölck war das die Botschaft, dass Wohnungsnot nie wieder kommen darf. Ralf Stegner erinnerte an den Aufbruch von 1988 mit Björn Engholm und Günther Jansen. „Zeit zum Aufklaren hat das Land wirklich zum Positiven verändert. Davon haben wir alle jetzt noch gut in Schleswig-Holstein.“ Beate Raudies, 1986 in die SPD eingetreten, hob den Durchbruch für die Frauen in der Landespolitik hervor. „Landtagspräsidentin, Ministerpräsidentin, Quote und Parität – Gleichberechtigung und gleiche Macht für Frauen wurden mit der SPD möglich und bleiben nach wie vor angesagt.“ Peter Botter erinnerte an 13 Jahre Wiederaufbau einer ganzen Insel. „Solche Energie und Kraft müssen wir doch auch für die Zukunft wieder gewinnen können.“ Und Ulf Kämpfer beschwor das Bewahren von positiver Streitkultur, Weltoffenheit und einem Heimatgefühl mit Toleranz, Respekt und Zutrauen.
Als Linja Voges zum Abschluss fragte, was sich die Fünferrunde für Schleswig-Holstein in 20 Jahren wünsche, musste niemand lange überlegen: Thomas Hölck hofft auf eine starke Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt gegen Hass und Ausgrenzung, Beate Raudies wünscht sich Schleswig-Holstein als Vorbild für Klimaschutz, geschützte Natur und nachhaltigen Wohlstand, Ralf Stegner setzte als frischer Großvater auf Frieden und Bildung für die junge Generation („Nicht die Herkunft darf wichtig sein, sondern was die Menschen aus sich machen können“), Peter Botter denkt an viele Gäste auf Helgoland und eine Insel, der es auch in 20 Jahren noch gut geht, und Ulf Kämpfer wünscht sich, dass die Menschen in 20 Jahren über Schleswig-Holstein sagen: „Do it like a Schleswig-Holsteiner.“
Und zum Abschluss das Schleswig-Holstein-Lied
Ob 2046 auch noch das Schleswig-Holstein-Lied gesungen wird, wird die Zukunft zeigen. Die SPD ließ es sich bei ihrem Festakt jedenfalls nicht nehmen, zusammen mit den Sängern von Elbvocal diese Landeshymne kräftig anzustimmen, bevor es dann zum gemütlichen und vielstimmigen Ausklang dieses ebenso nachdenklichen wie vergnüglichen Wedeler Jubiläumstreffens ging.
Quelle: KV Pinneberg









