SPD-Kreisverband Pinneberg würdigt Engagement für Erinnerungskultur, Vielfalt und Menschenrechte
Ein Preis für die Erinnerung an die Geschichte des Kreises, einer für junge Menschen, die sich heute für eine offene Gesellschaft einsetzen: Der SPD-Kreisverband Pinneberg hat am Sonntag im Appener Bürgerhaus den Walter-Damm-Preis 2026 und den Youth Impact Preis Pinneberg, kurz YIPPi, verliehen. Ausgezeichnet wurden der Förderverein „Gegen das Vergessen – Spurensuche im Kreis Pinneberg und Umgebung 1933–1945 e. V.“ sowie Ronja Schmidt und die Organisatorinnen und Organisatoren des CSD Quickborn.
Der Walter-Damm-Preis wurde in diesem Jahr zum 30. Mal verliehen. Die mit 1.500 Euro dotierte Auszeichnung würdigt Menschen, Initiativen, Vereine und Verbände, die sich ehrenamtlich für sozialen Ausgleich, gesellschaftliche Toleranz und Integration einsetzen.
Walter Damm war einer der bedeutendsten Sozialdemokraten in der Geschichte Schleswig-Holsteins. Er war Landtagsabgeordneter, Sozialminister und nach dem Zweiten Weltkrieg der erste frei gewählte Landrat des Kreises Pinneberg. Sein soziales Engagement gab dem Walter-Damm-Preis seinen Namen.
Der diesjährige Preisträger steht für eine Arbeit, die Vergangenheit im Kreis Pinneberg sichtbar und zugänglich macht. Der Förderverein „Gegen das Vergessen“ recherchiert zur Geschichte des Nationalsozialismus in der Region und dokumentiert Lebensgeschichten, Orte und Ereignisse. Über die digitale Spurensuche können historische Informationen mit den jeweiligen Orten im Kreis verbunden werden. Gleichzeitig findet Erinnerungsarbeit ganz konkret vor Ort statt, etwa bei Veranstaltungen, Vorträgen, Stolpersteinverlegungen und gemeinsamen Rundgängen.
In seiner Laudatio würdigte Ulf Kämpfer die Arbeit des Fördervereins als wichtige und kontinuierliche Arbeit für die Erinnerungskultur im Kreis Pinneberg. Er hob dabei insbesondere hervor, dass der Verein Geschichte nicht abstrakt behandelt, sondern die Spuren des Nationalsozialismus dort sichtbar macht, wo Menschen heute leben. Die Verbindung aus gründlicher Recherche, digitaler Dokumentation und konkreter Erinnerungsarbeit vor Ort mache die Geschichte für viele Menschen zugänglich. Auch die Möglichkeit, selbst zu recherchieren und eigene historische Spuren beizutragen, sei ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
„Walter Damm hat Verfolgten geholfen, als sie noch lebten. Und die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger sorgen dafür, dass wir die Verfolgten, die Geschichten aus dieser Zeit, aber sicherlich auch die politischen Lehren daraus nicht vergessen.“
Der Förderverein nahm die Auszeichnung stellvertretend für die vielen Menschen entgegen, die sich seit Jahren an der Spurensuche beteiligen. In den kurzen Dankesworten wurde deutlich, dass Erinnerungskultur für den Verein mehr bedeutet als das Bewahren von Geschichte: Sie lebt davon, dass Menschen selbst recherchieren, Fragen stellen und sich mit den Spuren der Vergangenheit im eigenen Umfeld auseinandersetzen.
“Wir verstehen uns heute als ein Netzwerk von Personen, Initiativen und Institutionen, das die lokale und regionale NS-Geschichte aufarbeitet. […] Wir wenden uns mit unserer Arbeit gegen das Vergessen, so heißt es in unserem Vereinsnamen. So ein Unrecht wie im Nationalsozialismus darf nicht wieder geschehen. Dafür setzen wir uns mit unserer Erinnerungsarbeit tatkräftig ein. Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung und die Anerkennung unserer Arbeit.”
Den zweiten Preis des Tages vergab der SPD-Kreisverband an junge Menschen aus Quickborn. Der mit 500 Euro dotierte YIPPi ging an Ronja Schmidt und die Organisatorinnen und Organisatoren des CSD Quickborn. Der Jugendpreis wird für besondere Initiativen und Leistungen junger Menschen vergeben.
Der CSD Quickborn wird von Jugendlichen und jungen Menschen organisiert und schafft Raum für queere Sichtbarkeit, Begegnung und Menschenrechte. Bereits die erste Veranstaltung brachte rund 200 Menschen zusammen. Inzwischen ist aus der Demonstration ein Angebot mit weiteren Veranstaltungen und Vernetzungsmöglichkeiten entstanden. Ronja Schmidt engagierte sich dabei insbesondere in der Planung, Umsetzung und Moderation.
In ihrer Laudatio würdigte Finja Schwickert das Engagement der jungen Organisatorinnen und Organisatoren als Beispiel dafür, wie junge Menschen ihre Stadt selbst mitgestalten können. Sie hob besonders die Eigeninitiative und den Mut hervor, mit dem die Jugendlichen in Quickborn einen sichtbaren Ort für queere Menschen und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer geschaffen haben. Der CSD stehe dabei für mehr als eine einzelne Demonstration: Er schaffe Begegnung, Vernetzung und Sichtbarkeit und setze ein Zeichen für Menschenrechte und gegen Ausgrenzung.
„Dass der CSD in Quickborn von einem so jungen Organisationsteam veranstaltet wurde, ist noch einmal mehr ein Grund zur Freude, ein Grund zum Stolz, ein Grund zur Zuversicht.“
Auch bei der Entgegennahme des YIPPi stand der Gedanke im Mittelpunkt, dass Veränderung vor Ort mit Menschen beginnt, die selbst aktiv werden. Ronja Schmidt und das CSD-Team machten mit ihrem Engagement deutlich, dass junge Menschen gesellschaftliche Themen nicht nur diskutieren, sondern selbst Veranstaltungen organisieren, Menschen zusammenbringen und öffentliche Räume gestalten können.
“Wir werden weiterhin laut sein. Für eine bessere Welt ohne Diskriminierung, Hass und Faschismus, für eine vielfältige Gesellschaft, in der jede und jeder so sein kann, wie er oder sie ist.”
Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von den Männerstimmen der Chorknaben Uetersen.
Quelle: KV Pinneberg

