Viel Zustimmung bei der Diskussionsveranstaltung mit Dr. Ralf Stegner bei der Friedenswerkstatt Wedel
Am 14. September folgten 45 Interessierte der Einladung der Friedensbewegung im Kreis Pinneberg zu einem Abend mit dem Bundestagsabgeordneten der SPD, Dr. Ralf Stegner. Er hatte sich sehr gern bereitgefunden, seine Einschätzung und Haltung zur Friedensthematik und zur Rolle Deutschlands darzulegen.
Mit seiner halbstündigen Einführung überzeugte er die Anwesenden von der Ernsthaftigkeit und Unbeugsamkeit seines Friedensengagements. Er machte deutlich, dass alles besser sei als Krieg, an dem nur die Waffenhersteller verdienen, während alle anderen Menschen verlieren. Geschichtlich ging er darauf ein, wie gefährlich die Lage 1962 war, als die Sowjetunion Atomraketen auf Kuba stationiert hatte. Damals gab es Gespräche zwischen dem US-Präsidenten John F. Kennedy und dem sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow, die die Sicht des jeweiligen Gegners deutlich machten und zum Abbau der Raketen führten sowie die angedrohte Invasion der USA auf Kuba verhinderten. Für dieses Sich-Hineinversetzen in die Gegenseite warb Ralf Stegner im Hinblick auf die heutige Lage. Er erinnerte an die starke Friedensbewegung und an die „Neue Ostpolitik“ des SPD-Kanzlers Willy Brandt.
Die Folge waren etliche gute Rüstungskontrollverträge, die leider alle aufgekündigt oder ausgelaufen sind. Heute gehe es darum, den Friedenswillen der Mehrheit der Menschen laut und deutlich zum Ausdruck zu bringen. Es könne nicht angehen, dass Deutschland die meisten Kleinwaffen exportiere und so viel für Rüstung ausgebe wie noch nie. Die Folgen spürten alle: Hunger und Massenflucht endeten bei uns mit vielen Geflüchteten, die als Bedrohung erlebt würden. Armut, Sozialkürzungen und verschlechterte Bildungsbedingungen holten uns ein. Wir müssten der militärischen Logik eine Friedenspolitik entgegensetzen und dürften sie nicht den Rechten überlassen.
Deutschland, das seinen Nachbarstaaten sehr dankbar sein müsse, weil unser Land nach dem furchtbaren, von uns verursachten Zweiten Weltkrieg sehr schnell wieder in die Völkergemeinschaft aufgenommen worden sei, habe allen Grund, demütig zu sein und sich dafür einzusetzen, Spaltungen zu überwinden, Gespräche zu ermöglichen und Kirchen und Gewerkschaften für den Frieden auf die Straße zu bringen.
Für diese Ausführungen gab es viel Zustimmung unter den Anwesenden. Und alle Fragen an den Referenten, auch die sehr kritischen, wurden mit einer positiven Einschätzung des Beitrags begonnen. Ralf Stegner zeigte sich auch bei direkten Anfragen souverän, etwa bei der Frage, wie er es noch in der SPD aushalten könne angesichts ihres Schwenks nach rechts. Er begründete seine Haltung nachvollziehbar. Viele kritische Anmerkungen sah er ähnlich wie die Fragenden und warb für die „strukturelle Nichtangriffsfähigkeit“ Deutschlands und die Unterstützung der UNO.
Er kritisierte mit Eisenhowers Worten den „militärisch-industriellen Komplex“, mit dem auch heute wieder die Rüstungskonzerne die Preise diktierten und eine Kriegswirtschaft, eine „Todeswirtschaft“, als Lösung anpriesen. Stegner plädierte dafür, alles zu versuchen, um die derzeitigen Kriege zu beenden und neue zu verhindern. Das seien wir unseren Nachkommen schuldig.
Damit sprach er den Anwesenden aus der Seele. Er verwies noch auf das Buch „Gemeinsame Sicherheit heute“, das Ende des Monats herauskomme und laut Erler-Kreis der SPD ein „Manifest für den Frieden“ sein solle.
Quelle: KV Pinneberg

