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Acht Erkenntnisse zur Dualen Berufsausbildung im Handwerk

Die Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) der  Kreis Pinneberger SPD macht Vorschläge

Das gemeinsame Treffen von SPD und Handwerk, zu der von der Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD im Kreis Pinneberg eingeladen worden war,  fand statt  am Donnerstag, 11, 12.2025, im Annemarie – Renger Saal der  SPD – Geschäftsstelle in  Pinneberg. Bei  der Besprechung waren auf der Seite des Handwerkes dabei der Kreishandwerksmeister und Obermeister  der Baugewerbe – Innung Norbert Lanz und die Obermeistern und  Mitglieder des Vorstandes der Kreishandwerkerschaft Westholstein  Kai Schröder (Elektro – Innung), Hans Lorentzen (Tischler – Innung), Martin Ossenbrüggen (Maler- und Lackierer Innung,) Dirk Steenbock ( Metall Innung) und Claudia Mohr (Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Westholstein und der ihr angeschlossenen 16 Innungen) und von der SPD der Vorsitzende der SPD –Kreistagsfraktion Hans Peter Stahl und die Stellvertreterin Helga Kell – Rossmann, der Hemdinger Bürgermeister Bernd Sommer, die  Mitgliedern des SPD – Kreisvorstandes Ernst Dieter Rossmann und Matti Schlotzhauer und von der Arbeitsgemeinschaft  für Bildung AfB  Sabine David – Glissmann, Angelika Klaska und Torben Klebert.  

1) Die Berufsvorbereitung  verbessern

Die Berufsvorbereitung und die Orientierung in der Schule auf eine berufliche Ausbildung müssen weiter intensiviert werden. Dazu gehört  eine Ansprache der Eltern, was die sozialen und motivationalen Voraussetzungen für eine berufliche Ausbildung angeht, genauso wie eine stärkere Erziehungsleistung auch in der Schule mit Blick auf Motivation, Anstrengungsbereitschaft, soziales Verhalten und einfache , aber wichtige Tugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit etc. Die Fähigkeit zur Berufsvorbereitung und Orientierung muss sich auch in der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte und in einer besseren Kooperation von Schule und Berufswelt niederschlagen.

2) Das Freiwillige Handwerksjahr ausbauen

Das Modell der Handwerkskammer Lübeck, in einem Freiwilligen Handwerks-jahr innerhalb von 12 Monaten den Alltag in vier Handwerksberufen durch Mitarbeit in Fachbetrieben kennen zu lernen, ist ein neuer attraktiver Ansatz. Die Vergütung  von 450 Euro brutto muss daraufhin beobachtet werden, was dies für die Motivation der jungen Interessierten bedeutet und  wer diese Gelder bei einer Ausweitung über rund 100 Plätze hinaus trägt. Auch muss beobachtet werden, mit welcher Intensität noch die 3. und 4. Station wahrgenommen werden, wenn schon die 1. oder 2. zu einer Entscheidung für eine Bewerbung geführt hat.

3) Die praktische Ausbildung im Betrieb  qualifizieren

Grundsätzlich kommt der persönlichen und fachlichen Leitung in den Ausbildungsbetrieben eine große, bei den veränderten Erwartungen,  Verhaltensweisen und Voraussetzungen vieler junger Auszubildender noch anwachsende Bedeutung zu. Die unmittelbaren Ausbilder und betrieblichen Ansprechpartner, und das sind dann meistens eher nicht die Meister oder die spezielle Fachkräften aus der Personalabteilung in größeren Betrieben, müssen hierfür über die durch Prüfung nachgewiesene Ausbildereignung hinaus ausreichend Zeit haben. Das gilt auch für weitere Fortbildung und finanzielle Anreize und Anerkennung.

4) Attraktive Ausbildungsvergütungen und die Vermehrung  der Ausbildungsbetriebe als Stärkung des Handwerks umsetzen

Es ist gut, dass es deutliche Verbesserungen bei den Ausbildungsvergütungen gegeben hat und auch die Mindestausbildungsvergütung hat die berufliche Ausbildung bei den jungen Menschen und in der Öffentlichkeit gestärkt. Dahinter steht auch die Überzeugung in den ausbildenden Betrieben und bei den Innungen, dass Ausbildung sich für jeden Betrieb lohnt, wenn er dadurch ihm bekannten und qualifizierten Nachwuchs gewinnen kann, was angesichts der Fachkräfteentwicklung und des demographischen Wandels immer wichtiger wird.

5) Kürzere Ausbildungen – Vor- und Nachteile abwägen

Kann da auch ein besser ausgearbeitetes Konzept für verkürzte Ausbildungen helfen, die dann einen ersten Abschluss  nach dem 1. und dem 2. Ausbildungs-jahr anbieten, damit die Ausbildung nicht ganz ohne Erfolg bleibt und der Eintritt in ein Arbeitsverhältnis möglich wird.

Darf, kann und muss dieses mit dem Rechtsanspruch auf eine später erfolgende Aufstockung der Ausbildung verbunden werden. Wie kann dieses geschehen? Betrieblich, außerbetrieblich; in welcher Zeit mit welcher Vergütung; durch wen etc. etc.?) Hierüber sollte zumindest nachgedacht werden, um die Zahl der Abbrechenden  und ohne Ausbildungsabschluss Bleibenden zu verringern.

Auch ist der theoretische Teil am Ende vielfach sehr anspruchsvoll und kann eine Überforderung darstellen, auch wenn die Ausgebildeten eine sehr gute praktische Perspektive haben.  Das schafft Frustration und kann Chancen vergeuden. Solche kürzeren Ausbildungen können auch ein Einstieg für junge Menschen sein, in  deren Herkunftsländern es keine ausgewiesene Tradition     der Berufsausbildung und keine Erfahrungen mit einem dualen System der zwei Lernorte gibt –weder bei den Eltern und in den Familien, noch bei den jungen Menschen selbst, die vielfach schnell Geld verdienen müssen oder wollen.

6) Ein  modernes und realistisches  Bild vom Handwerk verbreiten

Berufliche Ausbildung muss grundsätzlich in der Öffentlichkeit, bei Eltern, Publizistik, Parteien und Politik bekannt und populär gemacht werden. Das gilt auch für die jungen Menschen selbst. Vielfach gibt es dort noch Vorstellungen, die mit der Modernität von Ausbildung und Handwerk  nicht mehr übereinstimmen. Keine Ausbildung läuft mehr ohne Digitalisierung, keine Arbeit mehr ohne PC etc.

Die Vergütungen in der Ausbildung und die Tarife im Handwerk liegen sehr gut und können sich auch durchaus mit Gehältern auf Grund eines Studiums messen. Spezialisierungen, Weiterbildungen  und Aufstiegsmöglichkeiten sind im Handwerk mehr vorhanden, als allgemein bekannt ist. Das muss positiv für das Handwerk stärker herausgestellt werden. Auch die Bedeutung von Handwerk für weitreichende Zukunftsfragen wie  Energie, Umwelt, Wohnungsversorgung, Gesundheit,  Mobilität, Robotik, Kommunikation etc. wird noch nicht ausreichend wahrgenommen und verstanden.

7) Spezialisierung, Aufstieg, Förderung – das Aufstiegs – BAföG modernisieren

Das frühere Meister- BAföG hat sich gewandelt zur gesetzlich geförderten Aufstiegsfortbildung – für Meister, Fachwirte, Erzieher etc. Diese Niveaustufe steht auf der gleichen Ebene wie der Bachelor. Meister z.B.  können dabei ein akademisches Studium aufsetzen. Es gibt auch eine besondere Förderung für Spezialisten – Weiterbildung, die dann nicht so viele Stunden umfasst.

Die Leistungen im AFBG sind in mehreren Gesetzesnovellen kontinuierlich erhöht worden. In einzelnen Bundesländern gibt es auch Kostenfreiheit oder Teilübernahme der Kosten bei den durchaus beachtlichen Ausbildungs-gebühren. Die Forderung muss dahin gehen, dieses bundesweit einheitlich kostenfrei zu machen und ggfs. auch ein Einstiegsgeld bzw. Darlehen zu geben, wenn nach der erfolgreichen Aufstiegsfortbildung eine Selbständigkeit begründet wird bzw. jemand in eine Betriebsübernahme und Betriebsführung eintritt.

Zudem muss die Modernisierung des Aufstiegs – BAföG weiter vorangetrieben werden, z.B. mit verbesserten Teilzeit –Modellen, gerade um qualifizierte Frauen zu gewinnen  und  natürlich auch Väter durch eine bessere Vereinbarkeit von Weiterbildung und Familie und Beruf.

8) Junges Wohnen und die Situation der Auszubildenden angehen

Was für die Studierenden mit den Studentenwohnheimen, die durch die Studentenwerke betrieben werden, schon eine lange Tradition hat, ist für die Auszubildenden sehr viel differenzierter anzugehen. Auch für  Auszubildende ist es schwierig, eine eigene bezahlbare Wohnung zu finden. In größeren Städten, zumal in solchen mit großen Hochschuleinrichtungen, ist es deshalb sinnvoll, unter dem Motto „Junges Wohnen“  die einschlägigen Wohnangebote für Studierende wie Auszubildende zu öffnen und deutlich auszubauen. Entsprechende Bundesmittel hierfür sind bereits deutlich erhöht worden.

Bei den  Plänen, parallel zum Studentenwerk Ausbildungswerke zu gründen. muss mit bedacht werden, dass die Situation in  den Flächenkreises mit Mittel- und Kleinstädten und vielen kleinen Dörfern mit anderen Lösungen als großen gemeinsamen Wohneinrichtungen angegangen werden muss. Auch sind die klassischen Lehrlingsheime oder das Wohnen im und beim Handwerksbetrieb  bei den Auszubildenden nicht immer die beste Wahl.  Hier ist an ortsnahen differenzierten Lösungen zu arbeiten.

Verantwortlich: Ernst Dieter Rossmann AfB Kreis Pinneberg  6.1.2026

Quelle: KV Pinneberg