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Eine neue AlphaDekade 2027 bis 2037 als Selbstverpflichtung von Bund und Ländern muss kommen

Zwei weitere Grundbildungszentren in Schleswig –Holstein sind ein guter erster Beitrag

Die SPD – Arbeitsgemeinschaft für Bildung  (AfB) im Kreis Pinneberg nimmt Stellung

Was lange ein Tabu in der gesellschaftspolitischen und speziell auch der bildungspolitischen Diskussion gewesen ist, ist vor bald 15  Jahren durch die sogenannte LEO – Studie der Universität Hamburg gründlich ins Wanken gebracht worden.  Analphabetismus und eine gering ausgeprägte Grundbildung  bei erwachsenen Menschen mussten endlich auch in Deutschland ernst genommen und politisch bearbeitet und in der Erwachsenenbildung als Aufgabe angegangen  werden. 7,5 Millionen gering literalisierte Menschen im berufsfähigen Alter konnten nicht länger übersehen und weggeschwiegen werden.

Bund und  Länder gemeinsam – mit Tempo und Klarheit

Da war es ein großer struktureller Fortschritt in der Bildungspolitik von Bund und Ländern, dass am 8.9.2015, dem Weltalphabetisierungstag, eine „Nationale Dekade für die Alphabetisierung und Grundbildung von Bund und Ländern 2016 bis 2026“ gemeinsam ausgerufen wurde. Deren Fortsetzung   wird eine der zentralen Aufgaben des Jahres 2026 für den Bund und die Länder sein. Hier sind jetzt Tempo angesagt sein und Klarheit!

Denn auch wenn die Zahlen der funktionalen Analphabeten und gering Literalisierten mittlerweile auf rund 6 Millionen Betroffene zurückgegangen sind, sind diese Zahlen  immer noch viel zu hoch und für ein reiches Land wie Deutschland geradezu skandalös.

Drei Hauptaufgaben für die nächste AlphaDekade

Dabei liegen zentrale Aufgaben und Forderungen für die  Zukunft auf der Hand.

1)  Zweifellos  braucht es weiterhin eine ganz enge Zusammenarbeit aller politischen Ebenen von der EU über den Bund und die Länder bis zu den Kommunen mit  den relevanten Akteuren in der praktischen  Grundbildung wie den Volkshochschulen, den Sozialpartnern, der Bundesagentur für Arbeit und der Zivilgesellschaft. Auch die Forschungs-, Beratungs-und Evaluationskapazitäten der Wissenschaft müssen weiter ausgebaut werden, damit Alphabetisierung und Grundbildung zur dritten Säule der Erwachsenenbildung werden, ergänzend zur allgemeinen Weiterbildung und zur beruflichen. Nicht zuletzt gehört dieses Thema  wieder stärker in die öffentliche Debatte und muss über die  Institution eines Alpha – Rates  mehr Sichtbarkeit und eine größere Dynamik bekommen.

2) Die Förderung von Alphabetisierung und Grundbildung braucht starke Strukturen, regional und nah an der Lebenswelt, professionell und materiell gesichert, niedrigschwellig und  vernetzt. In den letzten Jahren sind hier über alle Bundesländer hinweg bereits über 70 Grundbildungszentren entstanden, im Wesentlichen in der Trägerschaft der Volkshochschulen, deren Unterstützung  jetzt nicht in Frage gestellt werden dürfen.

Dafür hat sich die SPD im Landtag erfolgreich eingesetzt!

Da ist es ein wirklich gutes Zeichen, dass in Schleswig – Holstein jetzt  zwei weitere Grundbildungszentren entstehen sollen. Damit soll  es landesweit sechs Einrichtungen dieser Art, die sich vor allem an Jugendluche und Erwachsene mit sehr geringen Lese-und Schreibkompetenzen oder ohne Schulabschluss richten sollen. Die Zentren sollen niedrigschwellige Angebote schaffen und als Anlaufstellen dienen.

3) Dafür ist eine stabile Finanzierung durch Bund und Länder für die Zukunft nachhaltig zu sichern. Die 180 Millionen, die der Bund über 10 Jahre bisher bereitgestellt hat, waren für diese Aufgabe von nationaler Bedeutung ein notwendiger, wenn auch mit 18 Millionen pro Jahr sehr bescheidener Anfang. Hier muss der Bund jetzt deutlich vorangehen und Führung übernehmen, um auch die Länder und Kommunen zu deutlich stärkerem Engagement zu motivieren, das unbedingt notwendig ist.

Anerkennung, Wertschätzung und Respekt für die Betroffenen

Grundbildung  ist ein fundamentales Menschenrecht. Ein neues respektvolles Umgehen mit den betroffenen Menschen eine anerkennende, verstehende und wertschätzende Auseinandersetzung mit den Lebenswelten und den Kompetenzen dieser Menschen in Beruf, Familie, Gesellschaft sind überfällig.

Verantwortlich: Ernst Dieter Rossmann Kreissprecher der AfB  61.2025

Quelle: KV Pinneberg