Das am 9. November 2025 vorgestellte Konzept für das Gründer- und Technologiezentrum (GTZ) in Wedel enttäuschte. Es erfüllt weder die Vorgaben des Kreistags noch die Erwartungen, die im Rahmen des Standortfindungsverfahrens und der bisherigen Diskussionen im Ausschuss für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Verkehr (AWRV) geweckt wurden. Insbesondere bestehen erhebliche Defizite hinsichtlich Flächenauslegung, Finanzierung, Betreiberkonzept und langfristiger Wirtschaftlichkeit.
Der Kreistag hat am 9. Februar 2022 auf Empfehlung des AWRV beschlossen, die finanzielle Beteiligung des Kreises auf maximal 5 Millionen Euro für Bau und Ausstattung zu begrenzen. Zudem sollte die Beteiligung des Kreises 50 % der Gesamtkosten nicht überschreiten. Das Konzept sollte sich an den Empfehlungen der Westküsten-Studie orientieren, insbesondere bezüglich eines städtischen Umfelds, einer Mindestgröße von 3.500 m², Erweiterungsmöglichkeiten und guter Erreichbarkeit mit ÖPNV oder Fahrrad. Die Stadt Wedel hatte im Standortfindungsverfahren ein 16.387 m² großes Grundstück angeboten und eine Nutzfläche von 4.500 m² vorgesehen; das Betreiberkonzept sah als Gesellschafter Kreis, Stadt Wedel, Fachhochschule Wedel, Stadtsparkasse Wedel sowie bedeutende Unternehmen vor.
Mit Beschluss des AWRV vom 28. Februar 2023 wurde die Stadt Wedel beauftragt, gemeinsam mit der WEP ein detailliertes, umsetzungsfähiges Konzept zu erarbeiten. Der beauftragte Berater empfahl eine Positionierung des GTZ im Bereich Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik, mit einer geplanten Grundstücksgröße von ca. 16.000 m² und einer Gesamtfläche von 10.000 m² BGF in zwei Bauabschnitten. Für ausgründende Unternehmen sollten zusätzliche 12.000 m² Gewerbefläche bereitgestellt werden. Es wurde in Aussicht gestellt, dass das GTZ bei Umsetzung dieser Empfehlungen mittelfristig wirtschaftlich arbeiten könnte.
Entgegen der Ankündigung, im Februar/März 2024 die Konzeptionierung von Businessplan und Gesellschaftsstrukturen vorzunehmen, erfolgte erst am 9. November 2025 die Vorstellung eines Konzepts, das in zentralen Punkten von den bisherigen Planungen abweicht:
- Die vorgesehene Nutzfläche beträgt nur noch 1.295 m², wovon lediglich rund 60 % für die eigentlichen Ziele des GTZ zur Verfügung stehen. Dies ist deutlich weniger als ursprünglich geplant und für einen erfolgreichen Betrieb unzureichend.
- Die Baukosten belaufen sich auf ca. 9,1 Mio. Euro zuzüglich Grundstückskosten. Die Finanzierung soll durch den Kreis und die WEP mit jeweils 5 Mio. Euro erfolgen, wobei der Grundstückserwerb und der Betrieb durch die WEP vorgesehen sind. Dies widerspricht den Beschlüssen, nach denen eine direkte oder indirekte vollständige Finanzierung durch den Kreis ausgeschlossen werden sollte.
Die Rahmenbedingungen für die Errichtung eines GTZ im Kreis Pinneberg haben sich inzwischen verschlechtert, insbesondere durch stark gestiegene Baukosten. Der Kreis kann aufgrund seiner angespannten Finanzlage keine weiteren Mittel über die zugesagten 5 Millionen Euro hinaus bereitstellen. Eine Realisierung des GTZ ist nur möglich, wenn die Finanzierungslücke durch andere Partner, insbesondere die Stadt Wedel, oder Förderprogramme geschlossen wird. Erfolgreiche Beispiele wie der Technologiepark Heidelberg, das IZB München oder der Technologiepark Karlsruhe zeigen im Übrigen, dass Kostendeckung durch Spezialisierung, hohe Auslastung und starke Partner an Standorten im (groß-)städtischen Umfeld möglich ist.
Im Februar 2026 wird der AWRV erörtern, wie mit dem Projekt weiter zu verfahren ist. Es wird zu klären sein, ob und wie eine Überarbeitung des Konzepts mit dem Fokus auf die Einhaltung der bisherigen Vorgaben des Kreises und die Entwicklung eines tragfähigen Betreiber- und Finanzierungskonzepts unter Einbindung starker Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand möglich ist.
Helmuth Jahnke
Quelle: KV Pinneberg
