Der sehr informative und zukunftsorientierte Austausch zum Jahresende soll auch im neuen Jahr gemeinsam fortgesetzt werden.
Das Handwerk gehört regional mit an den Tisch der Politik.
16 Innungen gehören zur Kreishandwerkerschaft Westholstein, und fünf Obermeister sowie andere Vorstandsmitglieder davon saßen kürzlich zu einem langen Informations- und Meinungsaustausch bei der SPD – im Kreis Pinneberg im dortigen Annemarie-Renger-Saal. Mit dabei waren aus der Baugewerbe-Innung Norbert Lanz, der auch zugleich Kreishandwerksmeister ist, Kai Schröder vom Elektrohandwerk, Hans Lorentzen von der Tischler-Innung, Martin Ossenbrüggen von den Malern und Lackierern, Dirk Steenbock aus der Metall-Innung sowie Claudia Mohr, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Westholstein.
Auch die SPD war sehr gut vertreten, mit dem Vorsitzenden der Kreistagsfraktion Hans Peter Stahl und weiteren Vorstandsmitgliedern des Kreisvorstandes, dem Hemdinger Bürgermeister Bernd Sommer sowie Mitgliedern aus der Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) und ihrem Sprecher Ernst Dieter Rossmann. Dieser betonte eingangs, wie wichtig für die SPD das Gespräch mit dem Handwerk sei – nicht nur in Fragen der Ausbildung und des Fachkräftenachwuchses, sondern auch für die regionale Wirtschaftsleistung, die Daseinsvorsorge mit guter Kundenbetreuung und die Erfüllung wesentlicher Zukunftsaufgaben.

Zukunftsaufgaben und neue Technologien kennzeichnen das Handwerk in allen Bereichen
Das wurde dann auch anschaulich deutlich an den kurzen Einblicken, die von den Handwerksmeistern in ihre Innungen gegeben wurden: von den wachsenden Bedürfnissen in der Wohnungsversorgung im Außen- und Innenbau, dem Gewerbebau und der energetischen Versorgung und Steuerung bis hin zur Digitalisierung und Robotik im Metallbereich und beim Maschinenbau. Norbert Lanz stellte hierzu das besondere Verhältnis von sehr guter Grundausbildung und wachsender Spezialisierung genauso heraus wie die Tatsache, dass in ganz vielen Gewerken der Computer und das iPad schon selbstverständlich zur Arbeit dazugehören. Seine Devise: Das Handwerk ist in seiner ganzen Breite sehr differenziert zu betrachten, was sich auch auf die notwendige Werbung und Stärkung bei den jungen Menschen und den Nachwuchskräften für das Handwerk bezieht.
Die Ausbildung muss verbreitert und gestärkt werden
Dabei sind das Gesamtinteresse an der beruflichen Ausbildung und auch der Bedarf an Ausbildungsplätzen nach den schwierigen Corona-Zeiten wieder gewachsen. Auch im Kreis Pinneberg hat es einen Anstieg um 111 Plätze auf 1.526 in der beruflichen Ausbildung gegeben, unter ihnen auch über 400 junge Menschen aus Migration. Gleichzeitig sind aber auch noch Ausbildungsplätze frei geblieben. Das Problem der Passung müsse deshalb durch bessere Berufsvorbereitung wie intensive, gut begleitete Praktika durch Schule und Betrieb angegangen werden.
Claudia Mohr stellte hierzu das Projekt der Handwerkskammer Lübeck über ein Freiwilliges Handwerksjahr (FHJ) vor, bei dem die Teilnehmenden innerhalb eines Jahres den Alltag in vier Handwerksberufen kennenlernen. Immerhin 100 junge Menschen haben hieran bereits teilgenommen. Die SPD-Vertreter in der Gesprächsrunde zeigten sich an den Ergebnissen dieses Modellvorhabens sehr interessiert. Ernst Dieter Rossmann: „Das Projekt ist neu und noch nicht bundesweit aufgelegt. Es kann sich auch für die Arbeitgeber lohnen und zugleich die Abbruchquoten bei der Ausbildung senken.“
Die fachliche und persönliche Anleitung gehören zusammen
Die Tatsache, dass es zwischen 20 und 34 Jahren 2,9 Millionen Menschen ohne einen beruflichen Abschluss gibt, wurde in der Diskussionsrunde als gemeinsames Problem anerkannt, das von der Politik, den Unternehmen und Gewerkschaften wie auch den Schulen gemeinsam angegangen werden müsse. „Betrieb und Schule müssen hier noch enger zusammenwirken“, so ein Obermeister. In den Betrieben müsse auch mehr auf die veränderten Voraussetzungen und pädagogischen Bedarfe der jungen Auszubildenden eingegangen werden.
Strukturell wurde dazu diskutiert, ob es einen besseren Einstieg in das Berufsleben für schwächere Auszubildende auch über eine kürzere Ausbildungszeit geben könne, ob und wie die Ausbildereignung gestärkt werden könne, ob es hierzu ausreichend Zeit für die Gesellen gäbe und ob und wie dieses von der Allgemeinheit unterstützt werden könne. „Die Ausbildung wird vielfach von den Meistern organisiert und geplant, aber die Praxis bei der Arbeit macht dann der Geselle“, so ein Obermeister. Da müsse sich ein gutes fachliches und persönliches Verhältnis aufbauen können. Während hierzu die Diskussion und die Suche nach konkreten Lösungen und Hilfen noch vertieft werden muss, bestand in dem Gespräch breite Einigkeit, dass das Aufstiegs-BAföG auch im Sinne der „Gleichwertigkeit von Meister und Master“ weiter verbessert werden kann.
Beim jungen Wohnen für die Auszubildenden müssen praxisnahe Lösungen gefunden werden
Diese von der SPD-Seite angestrebte und vom Handwerk selbstverständliche Gleichwertigkeit prägte dann auch die offene Diskussion um die verbesserten Möglichkeiten von Wohnraum für Auszubildende. Gemeinsame Projekte für junges Wohnen von Auszubildenden und Studierenden seien dabei in den größeren Städten durchaus sinnvoll und würden jetzt ja auch von der Bundesregierung verstärkt gefördert. Die Obermeister in der Gesprächsrunde, die aus dem ländlichen Raum kommen, brachten hierzu aber den berechtigten praktischen Hinweis, dass mit größeren Wohnanlagen die kleinteiligen regionalen Bedarfe des Handwerks und seiner Auszubildenden nicht angesprochen würden. Hans Peter Stahl und Helga Kell-Rossmann als Vertreter der SPD-Kreistagsfraktion nahmen diese Hinweise gerne auf. Norbert Lanz warb hierzu zum Abschluss der intensiven Aussprache noch einmal für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Vielfalt des Handwerks.
Diese Leitlinie will die SPD im Kreis in Vorstand und Fraktion wie auch in der Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) gerne aufnehmen. Ein erster umfangreicher Beschluss hierzu ist bereits beim letzten Parteitag der Kreis Pinneberger SPD im November gefasst worden. Ernst Dieter Rossmann und Hans Peter Stahl: „Wir brauchen hierzu die Rückkopplung mit dem Handwerk. Das muss selbstverständlich sein.“ Ein neues Gespräch im nächsten Jahr 2026 ist deshalb schon ins Auge gefasst.
Verantwortlich: Ernst D. Rossmann, 17.12.2025
Quelle: KV Pinneberg
