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Moderne Stadtarchive wie das in Elmshorn dokumentieren auch die Sozialentwicklung und das kulturelle Erbe

SPD-Kulturforum: Stadtarchive sind ein unverzichtbarer Baustein einer zukunftsorientierten Kulturpolitik

Vom Staats- und Stadtarchiv zum Sozial- und Gesellschaftsarchiv – diesen Wandel stellte Stadtarchivar Oliver Gülck in den Mittelpunkt seiner Ausführungen anlässlich des Besuchs des Kulturforums der Kreis-Pinneberger SPD in den Räumlichkeiten des Elmshorner Stadtarchivs in der Marktstraße. Gemeinsam mit einem Kreis von ehrenamtlichen Kräften und mit Unterstützung der langjährigen Mitarbeiterin Frau Schmidt geht es dort darum, eine „kilometerlange“ Menge an Akten und Materialien aufzuarbeiten, zu erschließen und zugänglich zu machen.

Dazu gehören nicht nur das umfangreiche Archiv der Stadt Elmshorn, sondern auch das Pressearchiv zu allen Elmshorner Zeitungen seit 1885 sowie sämtliche Fotos der vergangenen Jahrzehnte, die von den Elmshorner Nachrichten im Rahmen eines besonderen Vertrags zur Verfügung gestellt werden. Auch umfangreiche Privatunterlagen, Adressbücher, Fleckensprotokolle seit 1850 sowie Urkunden, Karten, Tonaufnahmen, Pläne und insgesamt rund 1,5 Millionen Fotos stehen analog oder digital zur Verfügung.

Das Elmshorner Stadtarchiv kann sich, wie Archivleiter Gülck hervorhob, glücklich schätzen, nicht nur über großzügige Räumlichkeiten aus der Stiftung Gewers zu verfügen, sondern auch über einen seit 2005 bestehenden, sehr aktiven Förderverein, der die Arbeit mit Mitteln für eine hervorragende technische Ausstattung unterstützt. Die Stadt Elmshorn finanziert die Mitarbeitenden und hat großes Interesse an einem leistungsfähigen und bürgeroffenen Stadtarchiv.

Wie anspruchsvoll und zugleich leistungsfähig insbesondere die Digitalisierung ist, verdeutlichte Gülck mit dem Hinweis, dass das Stadtarchiv innerhalb der Stadtverwaltung in puncto Speicherkapazität zu den führenden Einrichtungen zählt. Dies werde sich auch künftig nicht ändern, denn die Digitalisierung sei nicht nur notwendig, um das vorhandene Material zugänglich zu machen, sondern auch, um den Bürgerinnen und Bürgern bei ihren Recherchen gerecht zu werden.
Gülck betonte: „In Zukunft wird jede Bestandsrecherche im Internet stattfinden.“ Die Schwerpunkte der Nachfragen liegen derzeit bei den Fotos, den Familiendaten und dem Zeitungsmaterial. Aber auch die Stadtverwaltung sowie Regional- und Heimatforschende zählen zu den bedeutenden Nutzenden.

Die Archivgesetze der Länder – so auch das in Schleswig-Holstein aus dem Jahr 1992 – hätten sehr gute Grundlagen geschaffen, auch wenn die heutigen Fragen der Digitalisierung, der Datensicherung und der Vernetzung von Archivquellen damals noch nicht absehbar gewesen seien. Gülck ergänzte: „Wir bekommen Anfragen aus der ganzen Welt, die wir nach unseren Möglichkeiten bestmöglich bearbeiten.“ Ein großer Schwerpunkt der Arbeit sei die Sichtung und Aussortierung des Materials: Von einem Kilometer Akten blieben in der Regel nur etwa 200 Meter übrig – immer noch eine beachtliche Menge, die technisch sorgfältig behandelt werden müsse.

Die lebhaften Nachfragen und Diskussionen in der gut besuchten Runde im Stadtarchiv zeigten das große Interesse an diesem Teil der Kulturpflege. Was einst reine Staatsangelegenheiten waren, habe sich, so Ernst Dieter Rossmann vom Kulturforum, zu einem Bürgerinteresse am sozialen, kulturellen und politischen Geschehen sowie dessen Hintergründen gewandelt. Angesichts der neuen digitalen Bilderflut und des Rückgangs von Papierdokumenten müsse rechtzeitig Vorsorge getroffen werden, damit die Archive auch künftig ihre wichtige kulturpolitische Aufgabe sachgerecht und bürgerfreundlich erfüllen können.

Elmshorn gebe hierfür ein gutes Beispiel im Kreis Pinneberg – darin waren sich die Gäste einig, was sich auch in herzlichem Beifall und großer Anerkennung für die haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden am Ende der Veranstaltung widerspiegelte.

Quelle: KV Pinneberg