5 Punkte für konkrete Initiativen
Aus den Gesundheits- und Pflegewochen, die der SPD-Kreisverband in diesem Sommer durchgeführt hat, schlägt der SPD-Kreisvorstand dem Kreisparteitag am 15. November folgende fünf Punkte zur Beratung und Beschlussfassung vor:
a) Vernetzung und ambulante Versorgung deutlich ausbauen
Bei psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ist ein enges Zusammenwirken von Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Jugendhilfe unerlässlich.
Die Forderung nach einer stärkeren Ambulantisierung stationärer Behandlungen wird derzeit noch durch Sektorengrenzen (stationär/ambulant) behindert – insbesondere durch die starre Finanzierungssystematik des stationären Bereichs.
Ein möglicher Lösungsansatz sind innovative Modellprojekte nach § 64 SGB V für kinder- und jugendpsychiatrische Angebote, die bisher vor allem in der Erwachsenenpsychiatrie erprobt wurden.
Ziel für den Kreis Pinneberg muss sein, neben dem Aufbau klinischer Strukturen die bereits bestehenden ambulanten Anbieter in diesem Bereich stärker zu integrieren. Ein erprobtes Regionalmodell könnte die Grundlage für ein differenziertes und gestuftes Versorgungsangebot bilden, das eine gemeinsame Verantwortungsübernahme von Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie ermöglicht.
Erforderlich ist außerdem ein dichteres Netz an Schulberatung, Schulsozialarbeit und Sozialpädagogik als präventive Maßnahme – ebenso wie mehr ambulante psychologische und psychiatrische Hilfen.
Die Jugendhilfe kann viele Belastungen abfangen, muss dafür aber in ihren vernetzten Hilfestrukturen weiter gestärkt werden.
b) Von anderen Ländern lernen und ein regelmäßiges Monitoring einführen
Die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung und die enge Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe benötigen auch auf Bundes- und Landesebene mehr Aufmerksamkeit.
Die SPD-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein wird gebeten, einen regelmäßigen Bericht an das Parlament über die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie über bestehende Hilfemöglichkeiten einzufordern.
c) Einrichtungen wie den „Wendepunkt“ in Elmshorn landesweit fördern und ausbauen
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene benötigen frühzeitig Unterstützung und psychologische Hilfe, um traumatische Erfahrungen zu bewältigen.
Erforderlich ist auch eine ambulante Rückfallprophylaxe für Minderjährige und junge Erwachsene mit sexuell auffälligem Verhalten, um künftige Übergriffe zu verhindern.
Zur Prävention braucht es zudem ein breites Angebot an Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte aus dem Bildungswesen, der Jugendhilfe und dem Gesundheitssektor – insbesondere zu Themen wie Trauma, Gewaltprävention und Medienkompetenz.
Für Schleswig-Holstein soll schrittweise ein Netz solcher übergreifend tätigen Einrichtungen aufgebaut werden.
Im Kreis Pinneberg müssen Kreis und Kommunen weiterhin für eine auskömmliche und gesicherte Finanzierung solcher Angebote sorgen.
d) Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen regulieren – Schutz vor neuen Gefährdungen
Die Zahl von Kindern und Jugendlichen mit komplexen psychischen Störungen infolge übermäßiger Mediennutzung nimmt zu.
Die Auswirkungen von Social Media auf Gehirnleistung, soziales Verhalten, Mobbing und andere Belastungen müssen im Rahmen eines bundesweiten Gesamtplans von Bund und Ländern zusammen mit Fachleuten aus Medienwissenschaft, Pädagogik und Medizin analysiert werden. Die Bundes-SPD wird aufgefordert, ergänzend zu einer von der Bundesregierung eingesetzten Fachkommission eine eigene SPD-Arbeitsgruppe aus Politik, Wissenschaft und Praxis einzurichten, die sozialdemokratische Grundsätze für diesen Themenbereich erarbeitet.
e) Schulische Versorgung bei der Neuorganisation der Kinder- und Jugendpsychiatrie sichern
Bei der geplanten Neuorganisation der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Zuge des Neubaus des Klinikkomplexes in Pinneberg müssen die bestehenden guten Strukturen berücksichtigt werden.
Besonderes Augenmerk gilt der schulischen Versorgung der Kinder und Jugendlichen, die derzeit in Elmshorn in hervorragender Weise gewährleistet ist.
Die SPD-Kreistagsfraktion wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass diese hohe Qualität auch in Zukunft uneingeschränkt gesichert bleibt.
Quelle: KV Pinneberg
