Aus den Gesundheits- und Pflegewochen, die der SPD-Kreisverband in diesem Sommer durchgeführt hat, schlägt der SPD-Kreisvorstand dem Kreisparteitag am 15. November folgende fünf Punkte zur Beratung und Beschlussfassung vor:
a) Kreisübergreifende Kooperation im Rettungsdienst erhalten und Ausbildung sowie Aufstiegsfortbildung verbessern
Der Rettungsdienst wird in der Kooperativen Regionalleitstelle West gemeinsam mit den Kreisen Dithmarschen, Pinneberg, Segeberg und Steinburg für rund 900.000 Menschen organisiert. Die praktische Arbeit leisten Rettungssanitäter und Notfallsanitäter – beide Qualifikationen werden dringend benötigt.
Erforderlich sind Verbesserungen auf allen Ebenen, insbesondere bei den Weiterbildungsmöglichkeiten: vom Rettungssanitäter mit seiner kürzeren Ausbildung bis hin zum Notfallsanitäter mit einer dreijährigen Ausbildung.
Die SPD-Bundestagsfraktion wird aufgefordert, hierzu Initiativen für verbesserte Aufstiegsfortbildungen zu ergreifen.
b) Partnerschaft im Rettungswesen stärken
Partnerschaft hilft – und Partnerschaft wächst.
Im Kreis Pinneberg gibt es in einigen Dörfern und Städten bereits das Projekt „AED-Feuerwehr“, bei dem bei Reanimationen oder bewusstlosen Personen nicht nur Rettungswagen, sondern auch ehrenamtliche Feuerwehrmitglieder alarmiert werden.
Zukunftsweisend ist zudem das aus Niedersachsen bekannte Projekt „Gemeindenotfallsanitäter“, das derzeit an einer Stelle im Kreis Pinneberg erprobt wird und dessen Umsetzung weiter geprüft und ausgebaut werden sollte.
Die Kooperative Regionalleitstelle wird künftig mehr sein als eine reine Feuerwehr- und Rettungsleitstelle. Es ist zu fordern, dass alle etablierten Eintrittspforten in das System der Gefahrenabwehr und Daseinsvorsorge – etwa die Notrufnummern 112 und 110 sowie der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 – zu einem Gesamtsystem zusammengeführt werden.
c) Neue Wege in der medizinischen Versorgung
Angesichts der absehbar steigenden Zahl an Ruhestandswechseln und des Wunsches vieler junger Ärztinnen und Ärzte nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie braucht es zusätzliche Ausbildungskapazitäten, bessere Arbeitsbedingungen, neue Versorgungskonzepte und eine Reform der Qualifizierungen für die medizinische Versorgung.
Die Weiterqualifizierung erfahrener Pflegefachkräfte zu sogenannten „Physician Assistants“ – wie etwa am Standort Heide – sollte ortsnah auch in anderen Regionen angeboten werden.
d) Gesundheitsreformen sachgerecht fortsetzen
Die SPD-Bundestagsfraktion wird aufgefordert, sich für die Fortführung der Grundprinzipien der Gesundheitsreform von Bundesminister Karl Lauterbach einzusetzen.
Das verbindliche Primärarztsystem bei freier Arztwahl – insbesondere in der Haus- und Kinderheilkunde sowie in der Augenheilkunde und Gynäkologie – bietet die Chance auf mehr Struktur, einen besseren Ressourceneinsatz und eine effektivere Finanzsteuerung.
Die begonnene Strukturreform der Krankenhäuser mit Spezialisierung, Qualifizierung und Transparenz der Leistungsprofile ist fortzusetzen.
Um eine sektorenübergreifende Versorgung zu ermöglichen, sollte die Krankenhausplanung künftig auch die ambulante Bedarfsplanung einbeziehen. Hierfür könnten gemeinsame regionale Planungsgremien eingerichtet werden.
e) Medizinische Versorgungszentren (MVZ) im Kreis Pinneberg gezielt ausbauen
Viele junge Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten streben kein eigenes Praxismodell mehr an, sondern bevorzugen ein Angestelltenverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten.
Deshalb wird es immer wichtiger, die regionale Versorgungslandschaft durch Medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu ergänzen.
Die Gründung kommunaler MVZ sollte erleichtert werden. Dafür sind gesetzliche Anpassungen notwendig, um zu verhindern, dass rein renditeorientierte Investoren Arztsitze aufkaufen und Kettenpraxen bilden.
Der Kreis und seine Kommunen werden aufgefordert, im Zusammenhang mit dem Neubau des Krankenhauses in Pinneberg frühzeitig in die Planung und Einrichtung von MVZ einzutreten – damit kommunales Gemeinwesen, nicht private Investoren, hinter solchen Einrichtungen steht.
Quelle: KV Pinneberg
