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Die Freiheit der bildenden Kunst sichern – die Arbeitsmöglichkeiten der bildenden Künstlerinnen und Künstler verbessern

Das Kulturforum der Kreis-Pinneberger SPD diskutiert mit Anders Petersen, Kulturpreisträger und langjähriges Vorstandsmitglied im Verband Bildender Künstler

Die Bewahrung der kulturellen Freiheit und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für bildende Künstlerinnen und Künstler waren die beiden zentralen Themen, die Anders Petersen für die Diskussion des Kreis-Kulturforums im Elmshorner Stammhaus des Künstlers einbrachte.

Kulturelle Freiheit sieht der Künstler einerseits durch rechtsextreme Kulturpolitik und entsprechende Kampagnen bedroht, wie sie leider auch in Deutschland – nach dem Vorbild anderer Länder – bereits zu beobachten seien. Andererseits müssten auch Vorfälle kultureller „Cancel-Unkultur“ im Sinne einer überzogenen political correctness aufmerksam beobachtet und klar zurückgewiesen werden.

Zum zweiten Thema stellte Anders Petersen zentrale Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Erhebung unter 2.000 aktiven bildenden Künstlerinnen und Künstlern vor. 90 Prozent der Befragten erzielen demnach ein jährliches Arbeitseinkommen aus künstlerischer Tätigkeit von weniger als 20.000 Euro. Zum Vergleich: Von den Vollzeiterwerbstätigen der Gesamtwirtschaft erzielen fast spiegelverkehrt 88 Prozent ein Nettoeinkommen von mehr als 20.000 Euro im Jahr; bei den Teilzeiterwerbstätigen beträgt dieser Anteil 79 Prozent.

Bildende Künstler:innen finanzieren sich in der Regel über einen Einkommensmix, der sich vor allem aus künstlerischer Lehrtätigkeit, Honoraren aus künstlerischer Arbeit sowie aus Ankäufen durch Sammlungen, Museen und Stiftungen zusammensetzt. Lediglich rund ein Fünftel der Befragten generiert sein Einkommen ausschließlich durch die künstlerische Tätigkeit. Nur wenige Künstler:innen können ihren Lebensunterhalt allein aus dieser Tätigkeit bestreiten.

Ein Drittel der Befragten finanziert sich überwiegend aus anderen Einkommensquellen – etwa durch nicht-künstlerische berufliche Tätigkeiten oder durch die Unterstützung von Lebens- bzw. Ehepartner:innen. Die größte Gruppe der bildenden Künstler:innen ist somit auf zusätzliche Einkommensquellen angewiesen. Kunstvereine, Kommunen und Landkreise stellen dabei die wichtigsten Finanzierer von Ausstellungsvergütungen und Honoraren für künstlerische Leistungen dar.

Viele Künstler:innen sehen die finanzielle Unsicherheit als zentrale Herausforderung (79 %) und sorgen sich um den möglichen Wegfall von Förderprogrammen (80 %). Bei der sozialen Absicherung spielt die Künstlersozialkasse (KSK) eine enorme Rolle. Das wiederholte Unterschreiten des Mindesteinkommens von jährlich 3.900 Euro ist jedoch der Hauptgrund für ein Ausscheiden aus der KSK. Auch in der Krankenversicherung ist die KSK eine wichtige Säule: Fast alle Befragten sind krankenversichert, davon 62 Prozent über die KSK.

Die niedrigen und schwankenden Einkommen spiegeln sich auch in den geringen Renten wider: 54 Prozent der Befragten mit Rentenbezug erhalten monatlich zwischen 0 und 800 Euro – deutlich weniger als der Durchschnitt der gesetzlichen Rente in Deutschland von 1.099 Euro. Ein Großteil der Künstler:innen ist somit von Altersarmut bedroht und auf Unterstützung aus dem sozialen Umfeld angewiesen oder gezwungen, über das Rentenalter hinaus weiterzuarbeiten.

Das Kulturforum nimmt die intensive Aussprache nun zum Anlass, eine Reihe von Vorschlägen zur besseren Förderung bildender Künstler:innen – und darüber hinaus anderer Kulturschaffender – zu erarbeiten.

Quelle: KV Pinneberg